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Kurzübersicht und gesetzlicher Kontext 

Sie sind unverzichtbar und werden in der Landwirtschaft in grossen Mengen produziert: Stickstoff und Phosphor. Diese Nährstoffe können aber auch ein beachtliches ökologisches Risiko darstellen, wenn sie im Übermass in die Umwelt gelangen. Um die Einträge aus der Landwirtschaft zu verringern, hat das BLW verschiedene Massnahmen eingerichtet. Die Applikation HODUFLU dient der Verwaltung der verschobenen Nährstoffmengen und gehalte, die jeder Betrieb in seiner Suisse-Bilanz verbuchen muss, um den Gesetzesauftrag zu erfüllen. Anhand von Lieferscheinen verzeichnet der Produzent in HODUFLU alle Hof- und Recyclingdüngerflüsse innerhalb und ausserhalb der Landwirtschaft. Da so alle Daten zentral gespeichert werden, ermöglicht HODUFLU eine grössere Transparenz und bessere Kontrolle der Umverteilung der Nährstoffe. Es werden jedoch nicht alle Nährstoffverschiebungen der Schweiz in HODUFLU erfasst. Mineraldünger, Futtermittelzufuhren, Co-Substrate sowie Nährstoffzuflüsse aus dem Phosphor-Recycling oder Fleischimporten werden in der Applikation nicht berücksichtigt. 

HODUFLU wird laufend an die Anforderungen der Anwender angepasst. So kamen 2017 zwei neue Produkte hinzu: «Ernterückstände» und «Gemüserüstabfälle». Da diese noch wenig genutzt werden, fallen sie im vorliegenden Bericht nicht ins Gewicht. 

Liefermengen in HODUFLU 2017 gegenüber 2016 

Die nachfolgend analysierten Daten entsprechen dem Stand von HODUFLU zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Berichts, d. h. im 1. Quartal 2018. Die Werte können sich bis Ende Jahr noch verändern, da die Kantone die Möglichkeit haben, die Lieferscheine bis ein Jahr nach deren Ausstellung zu korrigieren. Ausserdem wurden Lieferscheine, bei denen Fehler vermutet werden, sowie statistisch abwegige oder extreme Werte wurden von der Analyse ausgeschlossen. Auch die Daten von 2014, 2015 und 2016 wurden zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Berichts neu berechnet. Es können daher Unterschiede auftreten gegenüber den Zahlen, die in den Agrarberichten der Vorjahre ausgewiesen wurden. 

2017 wurden 48 124 Lieferungen von 20 856 Bewirtschaftern in HODUFLU vorgenommen. 35 % davon haben Dünger abgegeben, die übrigen 65 % haben Dünger angenommen. 209 Betriebe haben Verschiebungen in beide Richtungen vorgenommen. In der nachfolgenden Tabelle sind die 2017 in HODUFLU erfassten Verschiebungen der verschiedenen Düngertypen sowie die Entwicklung der Situation in Prozent gegenüber 2016 dargestellt. 
 

Anzahl Lieferungen und Düngermengen im Vorjahresvergleich

 Hofdünger Recyclingdünger Total
 aus Tierhaltungaus landw. BiogasanlagenKompostaus gew./ind. Biogasanlagen 
Anzahl Lieferscheine36 7902 9302 4255 97748 124
Veränderung
gegenüber 2016 (%)
+1+10+5+8+3
Menge (m3)2 727 725467 093297 342813 9104 370 147
Veränderung
gegenüber 2016 (%)
0+6+8+12+5
Nges (t)11 9331 7141 1933 76419 171
Veränderung
gegenüber 2016 (%)
+6+6+5+17+15
P2O5 (t)6 2247155991 5079 635
Veränderung
gegenüber 2016 (%)
+7+7+6+17+16

Quelle: BLW


Der allgemeine Trend ist bei der Anzahl Lieferscheine und bei den erfassten Mengen steigend. Den grössten Nährstofffluss machten mit über 2 727 725 m3die Hofdünger aus Tierhaltung aus. An zweiter Stelle stehen die gewerblichen und industriellen Biogasanlagen (813 910 m3), gefolgt von den landwirtschaftlichen Biogasanlagen (467 093 m3) und den Kompostierungsanlagen (297 342 m3).

Beim Hofdünger aus Tierhaltung blieben die Anzahl Lieferscheine (+1 %) und die verschobenen Mengen (0 %) stabil. Ein Aufwärtstrend wurde hingegen bei den Mengen an Stickstoff Nges (+6 %) und P2O5 (+7 %) festgestellt. 2017 wurden schwächere Verdünnungen verwendet als 2016, was diese Differenz bei den verschobenen Mengen erklären könnte.

Die landwirtschaftlichen Biogasanlagen wiesen in HODUFLU 1714 Tonnen Nges und 715 Tonnen P2O5 aus, was gegenüber 2016 einem Plus von 6 % bzw. 7 % entspricht. Diese höheren Gehalte stimmen überein mit dem Anstieg um 6 % der verschobenen Mengen.

Die Gehalte an Nges und P2O5 der gewerblichen und industriellen Biogasanlagen legten im Vorjahresvergleich um 17 % zu, obwohl die Zunahme der Anzahl Lieferungen geringer ausfiel als beim Hofdünger aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen.

Auch die verschobenen Kompostmengen verfolgen einen Aufwärtstrend gegenüber 2016 (+5 % Nges und +6 % P2O5).

Mediane von Nährstoffgehalten und Abweichungen

HODUFLU beruht auf dem Grundsatz der Selbstdeklaration. Für jedes Produkt muss der Abgeber den Gehalt in Kilogramm pro Einheit (m3oder t) für die Nährstoffe Gesamtstickstoff (Nges) und Phosphor (P2O5) angeben. Er stützt sich dabei auf die in HODUFLU hinterlegten Standardgehalte oder die betriebsspezifischen Gehalte. Ein Fehler oder eine Anpassung der angegebenen Gehalte können sich in der Gesamtmenge der gelieferten Nährstoffe niederschlagen. Um die Anforderungen des ökologischen Leistungsnachweises zu erfüllen, müssen die Betriebe jedes Jahr mittels einer Düngerbilanz zeigen, dass kein überschüssiger Stickstoff und Phosphor verwendet wird (Suisse-Bilanz). Betriebe, die zu viel Dünger produzieren, werden daher beim Dünger, den sie abgeben, tendenziell höhere Nährstoffgehalte angeben. In diesem Zusammenhang spielen die Kontrollstellen und die Kantone eine wichtige Rolle. Sie sind zuständig für die Anwendung der Gesetze und müssen somit die Plausibilität der Daten prüfen, um die Auszahlung der Direktzahlungsbeiträge zu rechtfertigen. Geeignete Kontrollinstrumente müssen gewährleisten, dass unrealistische Werte einfach identifiziert werden können, um die Vollzugsarbeit zu erleichtern.

Die folgenden Grafiken zeigen die Verteilung der Gehalte an P2O5 (in kg pro Einheit) der drei wichtigsten Tiergattungen: Geflügel, Schweine und Rindvieh. Jeder Punkt entspricht einer Lieferung und die einzelnen Lieferungen werden in steigender Reihenfolge des Gehalts an P2O5 dargestellt. Das Element P2O5 wurde dem Stickstoff vorgezogen, da es stabiler ist und somit mit grösserer Genauigkeit festgelegt werden kann. Damit eine Interpretation der Grafiken überhaupt möglich ist, wurden unrealistische Werte, die als Ausreisser betrachtet werden, aus den Daten für die Analyse entfernt. Diese Werte können insbesondere aus Korrekturbuchungen der Kantone stammen. Trotz dieser Vorsichtsmassnahme zeigen die Verteilungen der Gehalte einige überraschende Werte. Visuell sind die Kurven ähnlich wie 2016, die Anzahl erfasster Lieferscheine ist jedoch grösser.

Die Gehalte an P2O5 der Hofdünger aus Geflügelhaltung schwanken zwischen 1,5 und 37,5 kg P2O5/Einheit und der Median der 6135 Lieferscheine liegt bei 14 kg P2O5/Einheit. Über 91 % der Lieferungen verbuchen plausible Gehalte zwischen 5 und 22 kg P2O5/Einheit. Die meisten Gehalte beruhen auf betriebsspezifischen Werten. Dies erklärt teilweise die stärkere Steigung der Kurve im Vergleich zu Schweine- und Rindviehdünger. Hintergründe für diese Schwankungen bei den Gehalten können Unterschiede bei der Fütterung, namentlich der Einsatz von nährstoffreduziertem Futter, oder beim Stallsystem sein.
 

Zoom: ab18_datentabelle_grafik_betrieb_datenmanagement_p205_gefluegel_d.png


Die Schwankungen der Gehalte an P2O5 fallen bei Hofdünger der Tierkategorien Schweine Zucht und Schweine Mast deutlich geringer aus als bei Geflügeldünger; sie variieren grösstenteils zwischen 0,37 und 8,4 kg P2O5/Einheit. Und dies obwohl über 88 % der Lieferungen mit betriebsspezifischen Gehalten berechnet werden. Der Median der 15 472 Lieferungen liegt bei 1,6 kg P2O5/Einheit.
 

Zoom: ab18_datentabelle_grafik_betrieb_datenmanagement_p205_schweine_d.png


Die Gehalte für Hofdünger aus Rindviehhaltungen liegen zwischen 0,17 und 5,57 kg P2O5/Einheit und der Median der 9628 Lieferscheine bei 1,4 kg P2O5/Einheit. Die Standardgehalte werden öfters herangezogen (35 %) als bei den anderen Hofdüngertypen. Die Kurve ist jedoch steiler als beim Hofdünger von Schweinen.
 

Zoom: ab18_datentabelle_grafik_betrieb_datenmanagement_p205_rindvieh_d.png

Entwicklung der gelieferten Mengen an P2O5 über die letzten vier Jahre 

Die nachfolgende Grafik illustriert die verschobenen Mengen (in Tonnen) an P2O5 aus Tierhaltung (ohne landwirtschaftliche Biogasanlagen) zwischen 2014 und 2017. Jede Zeile hat eine andere Farbe und entspricht jeweils einer bestimmten Tierkategorie. Rund 7 % der Produkte aus Hofdünger sind in der Kategorie «Tiere unbekannt» verbucht, da sie keiner Kategorie zugeordnet werden können. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Bewirtschafter alte Produkte verwenden, die in HODUFLU zwar noch aktiv, aber ungenau sind. Die Anzahl dieser Lieferscheine, die nicht zugeordnet werden können, ist seit 2015 rückläufig. Sie werden früher oder später verschwinden, da die alten Lieferscheine durch neue mit einer entsprechenden Kategorie ersetzt werden.
 

Zoom: ab18_datentabelle_grafik_betrieb_datenmanagement_p205_mengen_tierkategorie_d.png


In HODUFLU werden die tatsächlichen Verschiebungen von Nährstoffen verzeichnet. Eine Zunahme der verschobenen Mengen ist somit nicht zwingend mit einem Anstieg der Tierzahl gleichzusetzen; sie weist vielmehr darauf hin, dass mehr Verschiebungen von Nährstoffen stattgefunden haben.

Die verschobene Menge an Hofdünger von Schweinen erhöhte sich zwischen 2014 und 2016 um 12 % und stabilisierte sich schliesslich: 2014 wurden 1674 Tonnen P2O5 aus Schweinedünger verschoben, 2017 waren es 2096 Tonnen.

Während 2015 noch 1722 Tonnen P2O5 aus Hofdünger von Geflügel verschoben wurden, verzeichnete HODUFLU 2016 nur 1591 Tonnen (-3 %) P2O5 aus dieser Quelle. Die Werte für 2017 blieben gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert (+1 %).

Die Verschiebungen von Hofdünger von Rindvieh haben seit 2014 kontinuierlich zugenommen. 2017 wurden 1460 Tonnen P2O5 aus Rindviehhaltung in HODUFLU verbucht; das entspricht einem Anstieg um mehr als 30 % gegenüber 2014.

Interkantonale und intrakantonale Verschiebungen

2017 waren zehn Kantone an interkantonalen Verschiebungen von Hof- oder Recyclingdüngerim Umfang von mehr als 30 000 m3 beteiligt. Diese Nährstoffflüsse werden in der nachfolgenden Grafik mittels Pfeilen dargestellt. Je dicker der Pfeil, desto grösser die verschobenen Mengen. Werden die intrakantonalen Verschiebungen dieser zehn Kantone mitgerechnet, machen sie allein mehr als 62 % aller 2017 in HODUFLU erfassten Verschiebungen aus.
 

Zoom: ab18_betrieb_datenmanagement_hoduflu_wichtigste_verschiebungen_d.png


Die Verschiebungen (m3) sind in der nachfolgenden Tabelle im Detail dargestellt: Die rot hinterlegten Zellen enthalten die Verschiebungen innerhalb eines Kantons, die grün hinterlegten Zellen die Verschiebungen zwischen zwei Kantonen im Umfang von mehr als 10 000 m3.
 

Zoom: ab18_betrieb_datenmanagement_hoduflu_duengermenge_kantone_d.png


Die grösste interkantonale Verschiebung wurde 2017 zwischen Aargau und Zürich verzeichnet: Zürich nahm 114 951 m3 Dünger entgegen, was 208 Tonnen P2O5 und 468 Tonnen Nges entspricht. An zweiter und dritter Stelle stehen Verschiebungen aus dem Kanton Luzern, der 83 052 m3 in den Kanton Aargau und 64 017 m3 in den Kanton Bern lieferte. Die umfangreichsten Verschiebungen werden jedoch innerhalb der Kantone vorgenommen.

Fazit

Auch dieses Jahr verfolgen die in HODUFLU erfassten Verschiebungen bezüglich Anzahl und Mengen einen Aufwärtstrend. Bei allen berücksichtigten Düngertypen (Hof- und Recyclingdünger) wurde 2017 bei der Anzahl Lieferungen oder den Mengen ein Anstieg gegenüber 2016 festgestellt. Die erfassten Daten haben zudem an Qualität gewonnen, da die Anzahl Lieferscheine ohne Kategorienbezeichnung rückläufig ist. Ein besonderes Augenmerk muss jedoch auf die in HODUFLU angegebenen Gehalte gerichtet werden, da deren Streuung nach wie vor zu gross ist. 

Mélanie Dorsaz, BLW, Fachbereich Direktzahlungsprogramme, melanie.dorsaz@blw.admin.ch

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